Digitale Medien und Aufmerksamkeit

In Zeiten, in denen digitale Medien allgegenwärtig sind und Informationen in Form von Kurzvideos immer rasanter auf uns einströmen, kann unsere Fähigkeit, uns auf Aufgaben zu konzentrieren, darunter leiden. Finde hier heraus, was Du dagegen tun kannst!

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Die Aufmerksamkeitsspanne ist eine kognitive Fähigkeit, die für Produktivität, das subjektive Wohlbefinden und viele andere Aspekte des täglichen Lebens von entscheidender Bedeutung ist. 

Mit der Allgegenwärtigkeit von Smartphones und sozialen Medien, mit endloser Scrollfunktion und dem permanenten Einfluss neuer Informationen, kommen Bedenken auf, wie schnelllebige Medien unsere Fähigkeit beeinflussen, uns über längere Zeit auf Aufgaben zu konzentrieren. Sorgen digitale Medien dafür, dass wir schlechter darin werden, in den Flow zu gelangen?

Die Nutzung digitaler Medien, insbesondere sozialer Medien, auf den einschlägigen Plattformen TikTok, Instagram, YouTube, Facebook, X oder Snapchat ist in unserer modernen Gesellschaft omnipräsent. In einer im Jahr 2018 veröffentlichten Studie gaben 45% der jungen Menschen an, beinahe permanent online zu sein (Andersen & Jiang, 2018). Ein Trend, der sich durch die Lockdowns der Pandemie und fortschreitende Digitalisierung wohl noch weiter verstärkt hat.

Dazu werden die Inhalte, die in diesen sozialen Medien auf die Benutzer*innen einströmen mit dem Aufstieg von Kurzvideoinhalten, sogenannten „Shorts“ oder „Reels“ immer rasanter. Diese charakteristischen Kurzvideos, dauern in der Regel etwa 20 Sekunden und selten über eine Minute. Sowohl TikTok als auch Instagram nutzen dabei leistungsstarke Empfehlungssysteme, die die Browserdaten der Benutzer sowie die Kategorisierung von markierten Videos verwenden, um personalisierte Videoempfehlungen zu generieren (Feng et al., 2019). Interessenspezifische Empfehlungen sollen die Zuschauer*innen an die Plattformen binden und die Anziehungskraft erhöhen.

Bedenkt man, dass Personen ungefähr 3 Stunden täglich an Smartphones verbringen, kommen Bedenken auf, welchen Einfluss dieses Digitalverhalten auf die Aufmerksamkeitsspanne haben könnte (Tenzer, 2024).

In der Psychologie wird Aufmerksamkeit als die kognitive Ressource beschrieben, die es einem Individuum ermöglicht, sich gezielt auf bestimmte Reize oder Informationen zu konzentrieren, während andere bewusst ignoriert werden (Posner, 1980; Parasuraman et al., 2000). Diese Definition unterstreicht die Fähigkeit, zwischen relevanten und irrelevanten Informationen zu unterscheiden und sich auf diejenigen zu fokussieren, die für die aktuelle Zielerreichung am bedeutendsten sind. Darüber hinaus beinhaltet Aufmerksamkeit auch die Kapazität, diese Fokussierung über einen definierten Zeitraum aufrechtzuerhalten und bei Bedarf zu verschieben, um sich neuen Reizen oder Anforderungen anzupassen (Eysenck, 2014).

Zwar handelt es sich bei der weit verbreiteten Pointe, wonach die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne seit dem Jahr 2000 von 12 auf etwa 8 Sekunden gesunken und demnach nun niedriger sei, als die eines Goldfischs, wohl um einen Mythos, der sich durch Aufmerksamkeit heischenden Journalismus weiter verbreitet hat, doch legen einige Studien nahe, dass sich soziale Medien und ständige Erreichbarkeit in der Tat negativ auf die kognitive Kontrolle und die Aufmerksamkeitsspanne ausgewirkt haben. (Subramanian, 2018)

Es kommt zum Phänomen des Information Overload, wodurch eine Erschöpfung der Aufmerksamkeit eintritt, was dann langfristig zu Frustration und Stress führen kann und Angststörungen begünstigt (Phan, 2018).

Allein die Wahrnehmung einer Benachrichtigung auf dem Smartphone, ohne diese anzuschauen oder zu beantworten, kann dabei mentales Abschweifen verursachen, was es erschwert, vorliegende Aufgaben zu erfüllen und in den Flow zu kommen (Stothart et al., 2015.

Was ist Flow?

Der Flow-Zustand, gemäß der Theorie von Mihály Csíkszentmihályi, beschreibt einen mentalen Zustand höchster Konzentration und völliger Vertiefung in einer Tätigkeit. 

Dieser Erfahrungszustand tritt auf, wenn die individuellen Fähigkeiten mit den Anforderungen einer Herausforderung in Einklang stehen. In einem Zustand des Flows verschmelzen Handlung und Bewusstsein, und die Zeit scheint unmerklich zu verfliegen. 

Dieser Zustand wird oft von einem tiefen Gefühl des Glücks und der Erfüllung begleitet. Der Flow-Zustand ist besonders häufig in Aktivitäten anzutreffen, die ein ausgewogenes Verhältnis von Anstrengung und Fähigkeiten erfordern, sei es beim Sport, kreativen Schaffen oder beruflichen Aufgaben.

Allerdings können Smartphones und digitale Medien potenzielle Störenfriede im Streben nach Flow sein. Die ständige Verfügbarkeit von Ablenkungen in Form von Benachrichtigungen, Nachrichten und sozialen Medien kann den Fokus unterbrechen und den natürlichen Fluss stören. 

Die impulsiven Reaktionen auf Benachrichtigungen führen zu ständigen Unterbrechungen, die den Zustand der tiefen Aufmerksamkeit durchbrechen. 

Zudem neigen digitale Medien dazu, eine endlose Palette von Reizen anzubieten, die es schwierig machen, sich auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren. Das häufige Wechseln zwischen unterschiedlichen digitalen Aktivitäten kann zu einer oberflächlichen Aufmerksamkeit führen, anstatt in den tiefen, immersiven Zustand des Flows einzutreten.

Die Herausforderung besteht daher darin, bewusst mit digitalen Medien umzugehen, um den Flow-Zustand zu fördern. Dies kann durch das Festlegen von Zeiten für ununterbrochene, fokussierte Arbeit, das Reduzieren von Benachrichtigungen, das Schaffen von Umgebungen ohne digitale Ablenkungen und die Integration von Achtsamkeitspraktiken erreicht werden. Eine bewusste Nutzung digitaler Technologien ermöglicht es, die Potenziale des Flow-Erlebens zu maximieren und den positiven Einfluss auf Produktivität und Wohlbefinden zu optimieren.

Du möchtest wissen, wie Unternehmen und Privatpersonen die Reizüberflutung digitaler Medien durchbrechen können, um einen Flow Zustand und ungestörte Aufmerksamkeit herzustellen? Hier sind 5 Tipps wie das gelingen kann: 

1. Digitale Pausen einplanen:

Unternehmen können den Mitarbeitenden  ermöglichen, während des Arbeitstages kurze Pausen einzulegen, in denen sie bewusst digitale Geräte beiseitelegen. Diese Pausen fördern nicht nur die Aufmerksamkeit und Produktivität, sondern tragen auch zur Reduzierung von Stress bei. Indem klare Richtlinien für digitale Pausen festgelegt werden, schaffen Unternehmen eine Umgebung, die den Mitarbeitenden ermöglicht, sich zu regenerieren und den Fokus zu erneuern.

2. Achtsamkeitspraktiken fördern:

Unternehmen können Achtsamkeitsprogramme einführen, um Mitarbeitende bei der Entwicklung von Fähigkeiten zur bewussten Aufmerksamkeitslenkung zu unterstützen. Achtsamkeitstraining kann Techniken wie Meditation, Atemübungen und bewusste Pausen umfassen. Diese Praktiken fördern nicht nur die Konzentration, sondern helfen auch, den Stresspegel zu senken und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

3. Klare Kommunikationsrichtlinien etablieren:

Es ist wichtig, klare Richtlinien für die interne Kommunikation festzulegen, um digitale Ablenkungen zu minimieren. Unternehmen können beispielsweise Kommunikationszeiten definieren, in denen Mitarbeitende aktiv auf Nachrichten antworten, und außerhalb dieser Zeiten die Nutzung von Messaging-Plattformen reduzieren. Dies ermöglicht eine konzentrierte Arbeitszeit ohne ständige Unterbrechungen.

4. Digitale Detox-Initiativen unterstützen:

Unternehmen können Initiativen zur digitalen Entgiftung fördern, indem sie beispielsweise an bestimmten Tagen digitale Abstinenz fördern oder Räume schaffen, in denen digitale Geräte bewusst ausgeschaltet werden. Solche Initiativen schaffen nicht nur ein Bewusstsein für den Einfluss digitaler Medien, sondern bieten auch Gelegenheiten zur Erholung und Förderung der zwischenmenschlichen Interaktion.

5. Sensibilisierung und Schulungen:

Unternehmen können Mitarbeitende durch Schulungen die Auswirkungen von digitaler Ablenkung aufklären und bewusst machen. Sensibilisierungskampagnen können dazu beitragen, ein Verständnis für die Bedeutung von Fokus und Konzentration zu schaffen. Schulungen zu Zeitmanagement und effektiver Nutzung digitaler Werkzeuge können die Mitarbeitenden dabei unterstützen, ihre Arbeit effizienter zu gestalten und den Einfluss von Ablenkungen zu minimieren.

Wichtig ist außerdem, sich nicht zu sehr dafür zu verurteilen, der digitalen Ablenkung hin und wieder zu erliegen. Selbstgeißelung erwirkt selten eine positive Verhaltensänderung, Selbstmitgefühl spielt hingegen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung gesunder Gewohnheiten im Umgang mit digitalen Medien und unterstützt langfristig eine ausgewogene Aufmerksamkeit und Lebensqualität.

Falls wir Dein Interesse geweckt haben und Du noch mehr zu dem Thema lesen möchtest, lies dir gerne noch unseren Artikel zum Thema Digital Detox durch. 

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